Bericht zum Fachgespräch "Regenwasseragentur"

01.06.2018

Spannendes Gespräch, bei dem ich viel Neues notieren kann.


“Wozu eine Regenwasseragentur, gibt es dann auch eine Sonnenagentur?” Das fragte mich ein AfD-Abgeordneter, als wir unseren entsprechenden Antrag letztes Jahr im Parlament beschlossen. Nach einer Woche Augusthitze im Mai kann man das besonders deutlich sehen: Gewitter brechen über Berlin herein, kurzzeitig treiben in Neukölln die Gullideckel über das Kopfsteinpflaster und an der Spree ist wieder Badeverbot, weil die Kanalisation in den Fluss übergelaufen ist.

Regenwasser muss gemanaged werden

Plötzlicher Regen, mehr als die Kanalanlagen aufnehmen können, darauf muss sich Berlin in Zukunft einstellen. Das Regenwasser muss dazu besser gemanaged werden. In meinem Fachgespräch zur Gründung der neuen Regenwasseragentur von Berlin, ging es am 22. Mai um die vielen guten Ideen Regenwasser um-, ab- oder nicht weiterzuleiten. Und um ihre mangelnde Umsetzung. Denn wie wir als Feedback aus dem Publikum bekamen, gehen engagierte Planer*innen seit Jahrzehnten mit immer wieder verbesserten Konzepten – mit Gründächern, offenen Versickerungsflächen oder bewachsenen Fassaden – hausieren. Dennoch bleibt bisher es bei Pilotprojekten des dezentralen Regenwassermanagements. In Kopenhagen oder Amsterdam ist man da schon weiter.

Verwaltung zögerte bisher noch zu oft

In Berlin teilte etwa die Verwaltung 2009 bei einem Bauprojekt noch mit, dass ausschließlich der Anschluss an die Regenwasserkanalisation erlaubnisfähig sei, so die Erfahrung von Heiko Sieker, anerkannter Experte zum Thema. Also nix mit progressivem Dezentralem Regenwassermanagement. Ähnliche Erfahrungen machen Planer*innen bei Bauämtern, die den Grundwasserschutz mit oberster Priorität behandeln und Angst haben, für eine Verschmutzung des Grundwassers durch die dezentrale Ableitung und Versickerung haftbar gemacht zu werden. Die neue Regenwasseragentur kann auch hier einhaken und Ängste durch Dialog beilegen. Mit der Zeit, wird sie zur Verankerung von Regenwassermanagement in einem gesellschaftlichen, sensibilisierten Diskurs beitragen, so die Hoffnung von Umwelt-Staatssekretär Stefan Tidow.

Bereits vor der Regenwasseragentur hat Rot-Rot-Grün gehandet

Die Leiterin der bei den Berliner Wasserbetrieben angesiedelten neuen Agentur, Frau Dr. Nickel ergänzte, dass dezentrales Regenwassermanagement mit den (von ihr mit erarbeiteten) KURAS-Projekt, den im Haushalt verankerten 1.000-Grüne-Dächer-Programm und den Anpassungsmaßnahmen im Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm bereits auf einem gesunden Fundament beginnt und nicht den sonst üblichen Vorlauf an Studien etc. absolvieren muss. In den nächsten Monaten plant sie dies durch eine Vernetzung der Bezirke und der Landesebene auch in den Bezirksämtern zu erreichen.
Und hin und wieder sei auch das gute alte “Rundschreiben” einer Landesbehörde Gold wert, wie unsere grüne Fraktionsvorsitzende Silke Gebel den Unterschied betonte, der seit dem Regierungswechsel spürbar wird. So wird darüber nun die neue Vorgabe wirksam, dass nach Bebauung die gleiche Wasserbilanz besteht, wie bei unbebautem Zustand. Dies wird Versickerung und Verdunstung vor einer simplen Ableitung bevorzugen.
Und dass sich mit Rot-Rot-Grün etwas bewegt wird, lässt außerdem die Planung der neuen Berliner Stadtquartiere hoffen. In einer Anfrage an den Senat zum Regenwassermanagement legte der Senat mir dar, dass von zwölf Berliner Bauprojekten ganze zehn mit Dezentralem Regenwassermanagment geplant werden. Das ist doch schon mal was.

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