Berliner Wasser: ein (noch) ungenießbarer Cocktail

Unser Berliner Wasser – nicht das aus der Leitung, sondern das Wasser in Spree, Havel und den anderen Gewässern – ist ein ekeliger Cocktail. Stellt Euch einfach vor: Ihr sitzt im Sommer bei 35° C am Landwehrkanals und ekelt Euch schon beim Gedanken an eine Erfrischung im Wasser. Das wollen wir ändern, denn Berlin ist eine Stadt am Wasser und als solche müssen wir es pflegen.

Am 22. März ist Weltwassertag! In diesem Jahr dreht er sich um die Themen Abwasser und Abwassernutzung. Wie passend! Denn leider landet auch unser Abwasser teilweise in der Spree – mitsamt allem, was wir so in der Toilette runterspülen.

Wir Grüne setzen uns deshalb in der Rot-Rot-Grünen Koalition (R2G) für folgende Dinge besonders ein:

Die in unserem Video angesprochenen Stoffe sind allesamt in unseren Gewässern zu finden und überschreiten – flächendeckend oder an einzelnen Orten – die Grenzwerte (Stand 2015 und hier nachzulesen in einer kleinen Anfrage von Silke Gebel). Allerdings stelle ich nur einen Auszug der Stoffe da und auch die im Video suggerierten Mengenverhältnisse sind nicht real. Dennoch: Bitte nicht zuhause nachmachen! 😉


“Berliner Wasser” – das Rezept

Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK)

  • Überschreitungen des Grenzwertes: Für die Summe von Benzo(b)fluoranthen + Benzo(k)fluoranthen wurden in der Wuhle jeweils einmalig und für für Benzo(a)pyren in der Panke jeweils einmalig Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Für Benzo(g,h,i)perylen + Indeno(1,2,3-cd)pyren wurden in Dahme, Vorstadt- und Stadtspree, Ober- und Unterhavel, Teltowkanal, den innerstädtischen Kanälen, Neuhagener Mühlenfließ (Erpe), Wuhle, Panke und Tegeler Fließ an allen mehrjährig untersuchten Messstellen wiederholt eine Überschreitung festgestellt.
  • Herkunft: Auto und Industrieabgase

Tributylzinn

  • Überschreitungen des Grenzwertes: Dahme, Stadtspree und Oberhavel
  • Herkunft: als Stabilisator in Kunststoffen und im Druckereiwesen, also auch bei bedruckten Textilien, Outdoorjacken

Quecksilber

  • Überschreitungen des Grenzwertes: Messwerte für Fische werden in Stadtspree überschritten
  • Herkunft: vor allem Kohlekraftwerke

Diclofenac

  • Überschreitungen des Grenzwertes: in Vorstadt- und Stadtspree, Unterhavel, Tegeler See und Teltowkanal wird vorgeschlagener Grenzwert von UBA wiederholt überschritten
  • Herkunft: Schmerzmittel; 70 Prozent des vom Menschen eingenommenen Diclofenacs werden wieder ausgeschieden. D.h. etwa 63 Tonnen Diclofenac kommen pro Jahr in den gesamten Wasserkreislauf. Eine Studie ergab, dass fast jeder zweite Deutsche abgelaufene Medikamente ins Klo entsorgt.

Sulfat

  • Überschreitungen des Grenzwertes: im Müggelsee
  • Herkunft: wird aus den ehemaligen sächsischen und brandenburger Tagebauen ausgespült

Anti-Baby-Pille

  • Überschreitungen des Grenzwertes: Der Wirkstoff 17α-Ethinylestradiol (EE2) führt zu Unfruchtbarkeit von Fischen.
  • Herkunft: ähnlich wie Schmerzmittel, werden die Stoffe nach der Einnahme wieder ausgeschieden.

Bromierte Diphenylether (BDE) und Perfluoroktansulfonsäure und ihre Derivate (PFOS)

  • Überschreitungen des Grenzwertes: Biota-Umweltqualitätsnorm in Stadtspree überschritten
  • Herkunft: zwar heute verboten, aber noch viel in Hart- und Weichschaum, z.B. in Möbeln oder Plastikgehäusen

Fluoranthen

  • Überschreitungen des Grenzwertes: in der Wuhle wiederholt und in der Panke einmalig überschritten
  • Herkunft: Zwischenprodukt zur Herstellung von Drogen und Pharmazeutika

Dioxine

  • Überschreitungen des Grenzwertes: Erhöhte Werte für Dioxine und der dioxinähnlichen polychlorierten Biphenyle (PCB), das sind krebsauslösende organische Chlorverbindungen, wurden in Aalen nachgewiesen
  • Herkunft: bis in die 1980er in Hydraulikflüssigkeiten, Kondensatoren, als Weichmacher in Lacken, Isoliermitteln und Kunststoffen; seit 2001 verboten

Phosphat

  • Überschreitungen des Grenzwertes: [In der Spree nachgewiesen]
  • Herkunft: 116 Tonnen Phosphor pro  Jahr kommt über die Gewässer aus v.a. der Brandenburger Intensivlandwirtschaft nach Berlin

Bakterien

  • Problem: Bakterien, die Sauerstoff verbrauchen und sich schnell vermehren; das lässt Fische sterben
  • Herkunft: 25-30 mal im Jahr läuft die Kanalisation bei Starkregen über
Quellen und Links zum Weiterlesen:

 


Exkurs: Wie kommt meine Toilettenspülung in die Spree?
In Berlin haben wir in der Innenstadt eine Mischkanalisationssystem. Das bedeutet, unser Abwasser wird nur zu einem gewissen Teil in eigens dafür angelegten Rohren und Becken gesammelt. Wenn diese zu voll sind dann laufen sie automatisch über in die Spree und ihre Zuflüsse. Da Regenwasser und Abwasser zusammen fließen, führen starke Niederschläge dazu, dass es ca. 25-30 Mal im Jahr zum Überlaufen kommt. Zwei Tendenzen unserer Zeit verstärken diesen Effekt: Der Klimawandel führt zu extremeren Wetterlagen und die Versiegelung der Flächen (z.B. für Parkplätze) lässt weniger Wasser im Boden versickert und mehr über die Gullis ins Abwassersystem fließen. Gegen beides wollen wir Grüne etwas machen.
Mehr Infos zum Mischsystem und was dagegen getant werden kann findet Ihr auch hier.


Karte mit dem Berliner Abwassersystem

Berliner Abwassersystem (gelb: Mischkanalisation; Quelle: SenUVK)