Bericht Kiezgespräch: Fahrradfreundlicher Richardkiez

31.08.2016

Tisch beim Kiezgespräch zum Thema "Fahrradfreundlicher Richardkiez"Der Wunsch, dass ein fahrradfreundlicher Richardkiez entsteht, ist groß. Denn das vom “Netzwerk fahrradfreundliches Neukölln” (NfN) vorgelegtes Konzept sieht allgemein Maßnahmen zur Beruhigung des Verkehrs vor. “Gerade der Durchgangsverkehr ist eine Plage für alle Menschen hier,” erklärte Saskia Ellenbeck. Sie wohnt selber in der Braunschweiger Straße, welche im Rahmen der Ertüchtigung einer “Fahrrad-Nebenroute” (via Braunschweiger & Richardstraße) für 300.000 Euro asphaltiert wurde. Ellenbeck sieht Planungsfehler: “Asphaltierung mag ja gut sein, aber jetzt ist es eine Rennstrecke für Autos dort!” Sie fordert bauliche Maßnahmen wie Poller und verweist auf den Graefekiez in Kreuzberg. Dort wurden sogar Diagonalsperren errichtet. Der Verkehr nahm ab, die Geschäfte laufen weiter prächtig und die Lebensqualität ist eine der höchsten von Berlin.

Brandbrief: Fahrradfreundlicher Richardkiez jetzt!

Gemeinsam mit vielen Anwohner*innen, lokalen Geschäften und Firmen hat sie einen Brandbrief an den Bezirk geschrieben. “Bisher haben nur die Grünen und einzelne Kandidaten der anderen Parteien geantwortet,” meint sie enttäuscht. Trotz Wahljahr. Der Baustadtrat Blesing (SPD) schiebt Geld- und Personalmangel vor. Natürlich sind beides – selbst verschuldete – Probleme im Bezirk (und im Land), doch wo ein Wille wäre, wäre auch ein Weg.
Das zeigte sie mit folgender Anekdote:
Der Bezirk sich am Ende ja auch noch auf Bundesfördermittel für die Radinfrastruktur beworden. Zuvor hatte die Neuköllner BVV einen grünen Antrag dazu einstimmig angenommen, Blesing aber eine Durchführung im Ausschuss abgelehnt. Doch dann ging es ganz schnell: Nun soll es Rad-Parkhaus in Rudow entstehen – wo die SPD mit der CDU um Stimmen ringt. Der Neuköllner Norden geht diesmal zwar leer aus. Doch genau wie Saskia Ellenbeck sehe ich das mit Zuversicht: Wir kommen langsam voran und die Auto-Parteien SPD und CDU lernen dazu. Irgendwann wird vielleicht auch mal ein Parkplatz wieder einem Fahrradständer, Zebrastreifen oder einem Baum weichen müssen. Neukölln verändert sich. Zum Guten.

Kampf um die Ressource Raum

Eine Diskutantin verwies dann auch darauf, dass es im Kern doch um den Kampf um eine äußerst knappe Ressource geht: öffentlicher Raum. Hier wollen wir Verkehr, Wohnen, Freiraum, Natur und vieles andere unter bekommen. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Damit die Stadt behutsam umgebaut werden kann – wir werden mehr und wir müssen klimafreundlicher und sozialer werden – braucht es neue Beteiligungsformen. Ellenbeck hat jetzt die Bürgerinitiative “Mehr Kiez für Rixdorf” gegründet.
Der zweite Referent, Denis Petri vom Volksentscheid Fahrrad, sieht das auf der Berliner Ebene ganze ähnlich. Mit dem Volkentscheid wurden Massen mobilisiert. “Die Stadt diskutiert jetzt unsere Vorschläge und die Politik muss handeln,” schwärmte er. Zuversichtlich mit Blick auf die nächste Stufe sagt er, dass das neue Abgeordnetenhaus “ein gutes Gesetz vorgelegt bekommt von der Initiative.” Es stehe ihm dann ja frei, dieses zu übernehmen. “Sonst bekommen wir die circa 175.000 gültigen Unterschriften sicher auch zusammen.”
Mein Fazit: So oder so, Berlin und Neukölln drehen sich gerade in Richtung Zukunft. Das passiert aber nicht von alleine, sondern wir müssen mit guter Beteiligung deutlich für eine neue Aufteilung des öffentlichen Raumes kämpfen. Macht mit!
 

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